Durch einen Batteriespeicher von unter auf über 2.500 Benutzungsstunden: Wann lohnt sich der Sprung – und wann wird er zur Kostenfalle?
06.01.2026
Die Benutzungsstunden entscheiden, ob ein Unternehmen als Wenignutzer (unter 2.500 h/a) oder Vielnutzer (über 2.500 h/a) eingestuft wird. Klingt nach einer Formalie – kann aber mehrere Tausend Euro pro Jahr Unterschied machen, weil sich je nach Einstufung die Netzentgelte verändern.
Unter 2.500 h/a gilt typischerweise: geringer Leistungspreis, hoher Arbeitspreis.
Über 2.500 h/a gilt typischerweise: hoher Leistungspreis, niedriger Arbeitspreis.
Wie sich Benutzungsstunden berechnen und warum es diesen „Knick“ gibt, erklärt dieser Artikel.
In diesem Beitrag geht es um die Praxisfrage: Ist es besser, unter oder über 2.500 h/a zu sein – und wann lohnt es sich, mit einem Batteriespeicher die Schwelle zu überschreiten?
Was sind Benutzungsstunden (kurz und verständlich)?
Benutzungsstunden ergeben sich aus Jahresverbrauch (kWh) geteilt durch die Jahres-Lastspitze (kW).
Beispiel: Bei einem Jahresverbrauch von 1.000.000 kWh und einer Lastspitze von 450 kW ergeben sich 1.000.000 / 450 = 2.222 Benutzungsstunden pro Jahr. Das liegt unter 2.500 h/a, also Wenignutzer.
Die große Frage: Drunter bleiben oder drüber gehen?
Viele denken: „Unter 2.500 h/a ist sicher günstiger.“ Das stimmt nicht immer. Der Grund ist einfach: Die Stromkosten bestehen im Kern aus zwei Hebeln.
Arbeitspreis (Euro pro kWh): wirkt auf jede Kilowattstunde im Jahr
Leistungspreis (Euro pro kW und Jahr): wirkt auf die Lastspitze
Wenn der Arbeitspreis im Vielnutzer-Tarif deutlich günstiger ist, kann das den höheren Leistungspreis ausgleichen oder sogar überkompensieren. Damit man ohne komplizierte Rechnungen schnell ein Gefühl bekommt, hilft eine einfache Ampel-Regel.
Ampel-Regel: Wann ist „drüber“ gut – und wann gefährlich?
🟢 Grün: Drüber gehen lohnt sich meistens
Das ist häufig der Fall, wenn der Arbeitspreis-Vorteil im Vielnutzer-Tarif groß ist, zum Beispiel mindestens 6 ct/kWh. Dann spart jede bezogene Kilowattstunde so viel, dass der höhere Leistungspreis in vielen Fällen ausgeglichen wird.
🟡 Gelb: Es kommt drauf an
Dieser Bereich liegt typischerweise vor, wenn der Arbeitspreis-Vorteil nur mittelgroß ist, etwa 4 bis 6 ct/kWh, und der Leistungspreis gleichzeitig deutlich ansteigt. Dann hängt die Wirtschaftlichkeit stark davon ab, wie stark der Speicher die Lastspitze tatsächlich senkt. In diesem Bereich lohnt sich fast immer eine kurze Rechnung.
🔴 Rot: Drüber kann zur Kostenfalle werden
Das passiert häufig, wenn der Arbeitspreis-Vorteil klein ist (unter 4 ct/kWh), der Leistungspreis aber stark steigt. Dann zahlt man plötzlich deutlich mehr pro k W, spart bei den kWh aber nicht genug, um das auszugleichen.

Vorher drunter – mit Speicher drüber: Rechenbeispiel (1.000.000 kWh/Jahr)
Um zu verstehen, wann sich der Sprung über 2.500 Benutzungsstunden lohnt, hilft ein konkretes Beispiel. Dabei wird nur die Lastspitze durch Peak-Shaving mit einem Batteriespeicher gesenkt. Der Jahresverbrauch bleibt gleich.
1) Ausgangslage: Ohne Speicher (Wenignutzer)
Annahmen:
Jahresverbrauch: 1.000.000 kWh
Lastspitze: 450 kW
Benutzungsstunden: 1.000.000 / 450 = 2.222 h/a
Einstufung: Wenignutzer (unter 2.500 h/a)
Typische Tariflogik in diesem Bereich:
niedriger Leistungspreis
hoher Arbeitspreis
2) Mit Batteriespeicher: Peak sinkt deutlich (Vielnutzer)
Nun wird ein Batteriespeicher eingesetzt, der die Lastspitze reduziert.
Neue Annahmen:
Lastspitze (mit Speicher): 300 kW
Jahresverbrauch: unverändert 1.000.000 kWh
Benutzungsstunden: 1.000.000 / 300 = 3.333 h/a
Einstufung: Vielnutzer (über 2.500 h/a)
Typische Tariflogik in diesem Bereich:
niedriger Arbeitspreis
hoher Leistungspreis
Entscheidend ist dabei: Ob der Wechsel tatsächlich Vorteile bringt, hängt davon ab, wie stark der Arbeitspreis sinkt und wie stark der Leistungspreis steigt. Genau deshalb kann der gleiche Speicher-Einsatz je nach Tarifstruktur einmal sehr sinnvoll sein – und in anderen Fällen zur Kostenfalle werden.
Zwei typische Tarif-Strukturen: Wann ist der Sprung unkritisch – und wann gefährlich?
Damit klar wird, warum der Wechsel über 2.500 h/a nicht automatisch „gut“ oder „schlecht“ ist, helfen zwei Szenarien mit unterschiedlichen Preisen.
✅ Szenario 1: „Drüber“ ist meistens unkritisch (großer Arbeitspreis-Vorteil)
In dieser Tarifstruktur wird der Arbeitspreis im Vielnutzer-Tarif deutlich günstiger. Der Vorteil bei den kWh ist so groß, dass er den höheren Leistungspreis häufig kompensieren kann.
Beispiel-Tarif:
Unter 2.500 h/a: Arbeitspreis 0,2026 €/kWh, Leistungspreis 39,46 €/kW·a
Über 2.500 h/a: Arbeitspreis 0,1348 €/kWh, Leistungspreis 209,12 €/kW·a
Kosten:
Ohne Batteriespeicher:
Arbeitspreis: 1.000.000 kWh * 0,2026 €/kWh = 202.600 €
Leistungspreis: 450 kW * 39,46 €/kW·a = 17.757 €
Gesamt: 220.357 €
Mit Batteriespeicher:
Arbeitspreis: 1.000.000 kWh * 0,1348 €/kWh = 134.800 €
Leistungspreis: 300 kW * 209,12 €/kW·a = 62.736 €
Gesamt: 197.536 €
➡️ In diesem Beispiel sinken die Gesamtkosten durch den Speicher von 220.357 € auf 197.536 €. Das entspricht einer Ersparnis von 22.821 € pro Jahr. Der Grund ist der deutlich niedrigere Arbeitspreis im Vielnutzer-Tarif. Gleichzeitig senkt der Speicher die Lastspitze, sodass der hohe Leistungspreis auf weniger kW angewendet wird.
❌ Szenario 2: „Drüber“ kann zur Kostenfalle werden (kleiner Arbeitspreis-Vorteil)
Hier sinkt der Arbeitspreis im Vielnutzer-Tarif nur leicht, während der Leistungspreis stark steigt. Dann kann es passieren, dass der Tarifwechsel trotz Peak-Shaving am Ende mehr kostet, weil der Leistungspreis den kleinen kWh-Vorteil überlagert.
Beispiel-Tarif:
Unter 2.500 h/a: Arbeitspreis 0,20 €/kWh, Leistungspreis 40 €/kW·a
Über 2.500 h/a: Arbeitspreis 0,16 €/kWh, Leistungspreis 200 €/kW·a
Kosten:
Ohne Batteriespeicher:
Arbeitspreis: 1.000.000 kWh * 0,20 €/kWh = 200.000 €
Leistungspreis: 450 kW * 40 €/kW·a = 18.000 €
Gesamt: 218.000 €
Mit Batteriespeicher:
Arbeitspreis: 1.000.000 kWh * 0,16 €/kWh = 160.000 €
Leistungspreis: 300 kW * 200 €/kW·a = 60.000 €
Gesamt: 220.000 €
➡️ Trotz Peak-Shaving steigen die Gesamtkosten in diesem Beispiel von 218.000 € auf 220.000 €. Das sind 2.000 € Mehrkosten pro Jahr. Der Arbeitspreis spart zwar 40.000 €, aber der Leistungspreis steigt gleichzeitig um 42.000 €. Der kWh-Vorteil ist in diesem Szenario zu klein, um den kW-Sprung auszugleichen.

Fazit: Es kommt auf die Preise an
Der gleiche Batteriespeicher kann bei einem Unternehmen knapp unter 2.500 h/a entweder deutliche Einsparungen bringen oder die Stromkosten erhöhen. Der entscheidende Unterschied ist nicht die 2.500 Stunden Grenze selbst, sondern die konkrete Tarifstruktur aus Arbeitspreis und Leistungspreis im jeweiligen Netzgebiet.
Wichtig ist dabei: Selbst wenn der Sprung über 2.500 h/a wie in Szenario 2 isoliert betrachtet zu Mehrkosten führt, kann sich ein Batteriespeicher im Gesamtkonzept trotzdem lohnen. In der Praxis wird der Speicher meist nicht nur für Peak Shaving eingesetzt, sondern kann zusätzlich weitere Erlös und Einsparpotenziale heben, zum Beispiel durch Eigenverbrauchsoptimierung, Arbitrage bei dynamischen Tarifen oder die Teilnahme an Flexibilitäts und Regelenergiemärkten. Wer diese zusätzlichen Use Cases mit einbezieht, kann auch bei einem ungünstigen 2.500h Tarifwechsel insgesamt positiv herauskommen. Mehr zu Multi-Use hier.
In der Praxis lohnt sich daher immer ein kurzer Check: Ist der Arbeitspreis Vorteil im Vielnutzer Tarif groß genug, um den höheren Leistungspreis zu kompensieren und welche zusätzlichen Erlösquellen oder Einsparungen kann der Speicher darüber hinaus realistisch erschließen.

